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Fachtagung 10 Jahre Krisenwohnung Mädchennotdienst

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"Am Rand und mittendrin - gesellschaftliche und politische Verantwortung für die Randgruppe 'Mädchen in Not'".

Fachtagung anlässlich des 10 jährigen Bestehens der Krisenwohnung des Mädchennotdienstes von Wildwasser e.V.

Vorträge:
Geschlechtergerechte Jugendhilfe als Luxussorge?
Interkulturelle Aspekte in der Arbeit mit Familien (2,4 MB)
Mädchen - Gewalt und Aggression (9,5 MB)

10 -jähriges Jubiläum der Krisenwohung des Mädchennotdienstes

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Am 16.03.2011 haben wir 10-jähriges Jubiläum gefeiert.

Rückblickend betrachtet, ist es, als wäre es gestern gewesen! Die Krisenwohnung des Mädchennotdienstes in Trägerschaft von Wildwasser e.V. feierte am 05.03.2001 ihre Eröffnung. Die ersten Mädchen wurden aufgenommen, es entwickelten sich Kooperationen mit den Jugendämtern und anderen Trägern, die ersten Erfolge wurden sichtbar, konzeptionelle Unstimmigkeiten führten zur Weiterentwicklung. In diesen Jahren kämpften wir um die Anerkennung unserer Arbeit und wurde mit unterschiedlichen Preisen ausgezeichnet.
2004 wurde unser Einsatz für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Partizipation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund mit dem Integrationspreis des Berliner Beauftragten für Integration und Migration ausgezeichnet.
2007 gab es Auszeichnung mit einem Sonderpreis des Präventionspreises des Landes Berlin für interkulturelle Elternarbeit.

Und nun haben wir die ersten 10 Jahre hinter uns und es ist an der Zeit zuschauen, wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

Uns war es wichtig, dieses Jubiläum nicht in einem kleinen kollegialen Rahmen zu feiern, sondern mit einer breiteren Fachöffentlichkeit in den Austausch zu gehen, über unser Konzept zu sprechen, nach neuen Ideen und  Wegen zu schauen und über fachpolitische Anforderungen und Erwartungen an die geschlechtsspezifische Jugendhilfe zu diskutieren. Unser Hauptziel war es, die rechtlichen Ansprüche, Partizipation und Beteiligung der Jugendlichen und ihrer Eltern in den Mittelpunkt zu stellen. Gemeinsam mit den Tagungsteilnehmerinnen versuchten wir über die gesellschaftliche Verantwortung für die Gruppe „Mädchen in Not“ zu diskutieren und Ideen zu entwickeln, was die Jugendhilfe, Politik, Gesellschaft im geschlechtsspezifischen und interkulturellen Kontext  leisten kann, will oder wird.
Es war uns auch wichtig, dass zum unserem Jubiläum auch unsere KlientInnen sichtbar werden, mit ihren Sorgen, Ressourcen und Perspektiven.

Die Tagung verlief unter dem Titel: "Am Rand und mittendrin - gesellschaftliche und politische Verantwortung für die Randgruppe 'Mädchen in Not'".

In der alltäglichen Arbeit mit den Familien stellen wir fest, dass viele Klientinnen, ins Besondere die Angehörigen der so genannten “Randgruppen“  den Zugang in das Jugendhilfesystem viel zu spät finden, bzw. die Angebote sehr schwer annehmen können. Durch die Sparmaßnahmen, die in der Berliner Jugendhilfe vor einigen Jahren durchgesetzt wurden, bekamen viele Jugendliche und ihre Eltern das Gefühl, nicht mehr gehört zu werden, was die Annahme der bewilligten Maßnahmen zusätzlich erschwerte. Deshalb  war es uns ein Anliegen, auch diese Erfahrungen mit anderen zu teilen, über die rechtlichen Ansprüche zu diskutieren und zu schauen, was wir gemeinsam gesellschaftlich und politisch bewirken können.

tl_files/wildwasser/Bilder/Newsletter2011/10JahreMND.jpgZum Ausklang der Tagung gestalteten wir zusammen einen Wunschbaum. Hier konnten Vorschläge, Kritik und Wünsche sowohl für die Mitarbeiterinnen der Krisenwohnung des Mädchennotdienstes als auch an die Politik angebracht werden.

 


Fazit:
Die Tagung war ein Erfolg:
Alle Plätze waren besetzt.

Die Atmosphäre war mit Interesse, Engagement und Fachlichkeit erfüllt.
Das Publikum war kritisch, hinterfragend und kompetent.
Die Referentinnen warfen viele Thesen auf und vermittelten ihr Wissen
und die PodiumsteilnehmerInnen diskutierten offen und fair.

Pressemitteilung 10 Jahre Mädchen in Not

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Pressemitteilung

10 Jahre sind 3.652 Tage Lachen, Weinen, Arbeiten und Feiern
Fachtagung des Mädchennotdienstes/Einrichtung „Mädchen in Not“ wird 10 Jahre

Berlin, 03.03.2011: Mit einer Fachtagung feiert der Mädchennotdienst des Wildwasser e.V. am 16. März 2011 sein 10-jähriges Engagement für Mädchen, die unter Gewalt und Misshandlung leiden oder obdachlos sind.

Unter dem Thema „Am Rand und Mittendrin – gesellschaftliche und politische Verantwortung für die Randgruppe ‘Mädchen in Not‘“ kommen am 16. März 2011 Experten aus Jugendhilfe, Politik und Gesellschaft zu einer Fachtagung zusammen. Gemeinsam blicken sie auf 10 Jahre erfolgreiches Engagement des Mädchennotdienstes des Wildwasser e.V. zurück und erarbeiten neue Ideen für die zukünftige Zusammenarbeit. Die Themen der Fachtagung stießen auf so große Resonanz, dass wir bereits jetzt schon ausgebucht sind.

Unter Moderation des RBB-Journalisten Felix Krüger diskutieren u.a. Monika Herrmann, Stadträtin für Jugend, Familie und Schule im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und Tobias Hellenschmidt, Oberarzt in der Vivantes Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Der Mädchennotdienst des Wildwasser e.V. arbeitet seit 10 Jahren in der stationären Jugendhilfe in Berlin und kümmert sich um Mädchen, für die körperliche und psychische Misshandlung, sexualisierte Gewalt, Vernachlässigung und Drogenkonsum zum Alltag gehören. Bisher haben weit über 1.000 Mädchen in der Krisenwohnung des Mädchennotdienstes ein gewaltfreies Zuhause gefunden und sammeln so Kraft für einen neuen Weg mit positiven Erfahrungen.

Die Berliner Fachöffentlichkeit zollt den Mitarbeitern der Krisenwohnung nicht erst nach 10 Jahren seine Anerkennung: 2004 erhielt der Mädchennotdienst Wildwasser e.V. den Integrationspreis des Berliner Beauftragen für Integration und Migration für seinen Einsatz zur Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Partizipation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund. 2007 wurde die Krisenwohnung mit dem Sonderpreis des Präventionspreises des Landes Berlin für interkulturelle Elternarbeit ausgezeichnet.

Mehr Details zum Programm finden sie im Flyer

Ansprechpartnerin für weitere Auskünfte:

Irina Leichsenring
Leiterin Mädchennotdienst Wildwasser e.V.
Bornemannstr. 12,
13357 Berlin

Telefon 030 / 21 00 39 90
Fax 030 / 21 00 39 91

mail: maedchennotdienst-leitung@wildwasser-berlin.de

Presseerklärung

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Forderungen parteiliche Fachstellen
Opferschutz und Strafverfahren

Ein Jahr öffentliche Diskussion über sexuellen Missbrauch
Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt ziehen Bilanz und fordern eine strukturelle Verbesserung der Hilfen für Betroffene.

Vor einem Jahr lösten die ersten Berichte über die sexuelle Ausbeutung von Schülern durch Ordensbrüder am Berliner Canisius Kolleg eine Welle der Empörung und der Aufdeckung aus. Zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirchen, im Sport, im Gesundheitswesen und Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe wurden aufgedeckt. Die Politik konnte den Handlungsbedarf nicht mehr leugnen und lud Vertreter der Kirchen, Verbände, Justiz und Wissenschaft zum Runden Tisch. Mit wenigen Ausnahmen verzichtete die Bundesregierung bei der Zusammensetzung des Runden Tisches auf die Expertise der Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt. Damit blieben die Erfahrungen der Stellen weitgehend ungenutzt,  die in den vergangenen Jahrzehnten die Angebote und Konzepte zum Thema sexualisierte Gewalt aufgebaut haben und in denen sich Expertise zu allen Themenfeldern von Prävention, Intervention, Fachberatung, Vernetzung bis hin zur Qualitätssicherung bündelt.
Nach einem Jahr intensiver öffentlicher Diskussion über die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Jungen ziehen die Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt nun Bilanz und müssen feststellen, dass trotz aller politischen Absichtserklärungen und intensiver Diskussionen am Runden Tisch bisher keine Verbesserung der Hilfen für Betroffene festzustellen ist. In gemeinsamen Stellungnahmen fordern sie eine strukturelle Verbesserung dieser Hilfen und nehmen zur Vernachlässigung des Opferschutzes im Strafverfahren Stellung.  Mit ihren Stellungnahmen möchten sie die Positionen der VertreterInnen der parteilichen Fachstellen am Runden Tisch unterstützen und die Politik auffordern, endlich Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Betroffenen umzusetzen.

Für Presseanfragen stehen zur Verfügung:

  Frauennotruf Göttingen:
Maren Kolshorn, 0551 – 44684
  Frauen-Notruf.Goe@t-online.de
  Tauwetter e.V. Berlin: Thomas Schlingmann, 030/693 80 07
    mail@tauwetter.de
  Wildwasser e.V. Berlin: Iris Hölling, 030/48628232
 
geschaeftsfuehrung@wildwasser-berlin.de
  Zartbitter e.V. Köln:
Ursula Enders, 0221/312055
    info@zartbitter.de
  Zartbitter Münster e.V.: Astrid-Maria Kreyerhoff
  Zornröschen e.V. Mönchengladbach: Sigrid Mattausch, 02161/208886
    info@zornroeschen.de
  ANYMA München: 089 /201 70 01

AUFRUF: AMARGI, Istanbul: Für die Gerechtigkeit! Wir stehen Seite an Seite mit Pinar Selek

Pinar Selek
(übersetzt aus dem englischen):

Dies ist ein dringender Appell der AMARGI Frauensolidaritätskooperative an alle
Intellektuellen, SchriftstellerInnen, KünstlerInnen, Feministische Organisationen,
RechtsanwältInnen, JournalistInnen, MenschenrechtsaktivistInnen und PolitikerInnen.

Die Feministin, Soziologin, antimilitaristische Friedensaktivistin, Schriftstellerin und
Mitgründerin der AMARGI Frauensolidaritätskooperative Pinar Selek ist mit einer
Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe durch das Gericht, das sie bereits zwei
Mal freigesprochen hat, bedroht.

Wie bereits in der Öffentlichkeit bekannt ist, wurde sie zum Ziel staatlicher Angriffe aufgrund
ihrer Forschung zu den Türkisch-kurdischen Kriegsbedingungen und Möglichkeiten der
Aussöhnung, die sie 1996 durchgeführt hatte. Sie wurde unter Anklage gestellt und ihre
Forschung wurde konfisziert. Sie wurde schwer gefoltert, damit sie die Namen der Personen,
die sie interviewt hatte, preisgab. Als sie das verweigerte, fand sie sich selbst in Haft wieder.
Als sie schon im Gefängnis war, wurde ihr Name mit der Explosion auf dem Gewürzmarkt
und einem damit verbundenen Komplott in Verbindung gebracht. Während des
Gerichtsverfahrens machten Zeugen falsche Aussagen gegen sie vor Gericht. Noch während
des Gerichtsverfahren konnte bewiesen werden, dass diese Aussagen unter Folter erpresst
worden waren und die Aussagen falsch waren. Nach 2 ½ Jahren wurde Pinar Selek
freigelassen. Trotz des zweimaligen Freispruchs hat der Criminal Court No 9 des Höchsten
Gerichtshofs beschlossen, das Verfahren gegen Pinar Selek wieder aufzurollen und
gefordert Pinar Selek zu einer schweren Haftstrafe von 36 Jahren zu verurteilen. Die
Forderung des Generalstaatsanwaltes wurde von der Criminal General Assembly
zurückgewiesen. Der Fall wurde an den Gerichtshof in Istanbul of Aggravated Felony 12
zurückverwiesen, der den Freispruch verkündet hatte.

Das Gerichtsverfahren gegen Pinar Selek wird am 9.2.2011 in Istanbul vor der 12. Hohen
Strafgerichtskammer, die sich in Besiktas befindet, eröffnet werden.
Deshalb sind jetzt Solidaritätsaktionen und Unterstützung für Pinar Selek von großer
Bedeutung und wir laden euch ein unseren Kampf um Gerechtigkeit zu unterstützen:
Kommt zahlreich zur Gerichtsverhandlung am 9.2.2011 oder organisiert und beteiligt auch
Delegationen, die zur Beobachtung des Gerichtsverfahrens kommen.
Organisiert Pressekonferenzen oder schreibt und schickt uns dann eure politischen
Unterstützungsschreiben.
Macht den Fall von `Pinar Selek´ in eurem Land/Staat öffentlich, indem ihr diesen Aufruf
weiterverteilt und auch die Informationen zur Kampagne.
Beteiligt euch an der Unterschriftenliste, die von Pen Deutschland durchgeführt wird.
http://www.ps-signup.de/.
Am Tag des Gerichtsverfahrens wird eine Pressekonferenz stattfinden, auf der PEN
Deutschland das Ergebnis der Petition verkünden wird. Bis zu diesem Tag ist jegliche
Unterstützung höchst willkommen.
Der Fall von Pinar Selek ist zu einem Symbol für den Kampf um Gerechtigkeit geworden. Da
sie zu vielen unterschiedlichen Gruppen, die vom System als die `anderen´ bewertet wurden,
enge Beziehungen hatte und hat ist sie in der Türkei und auch im Ausland auch mit ihren
Büchern über transgender Frauen in Istanbul, die Geschichte der Befreiungskämpfe in der
Türkei und schließlich mit ihrer Arbeit über die Zurichtung von Männern im Kontext von
Militär sehr bekannt Ihr letztes Buch ist auch in deutsch unter dem Titel: `Zum Mann
gehätschelt, zum Mann gedrillt´ erschienen.

In den vergangenen 12 Jahren haben immer wieder bedeutende türkische und internationale
bekannte Intellektuelle ihre Unterstützung für Pinar Selek erklärt, indem sie auch an den
Gerichtsverfahren anwesend waren. PEN Deutschland führt eine internationale
Unterstützungskampagne durch.
Weitere Infos: http://www.pen-deutschland.de/htm/aktuelles/pinar-selek.aufruf.php.

Falls Bedarf nach weiteren Informationen besteht oder es noch mehr Vorschläge zur
Unterstützung von Pinar Selek gibt, kontaktet:

halatanigizplatformu@gmail.com(still witnesses platform mail address)
yaseminsevval@yahoo.com(international spokesperson of Pinar Selek Support Campaign)
karinkarakasli@yahoo.com(member of Pinar Selek Support Campaign)
Solidaritepinarselek.france@gmail.com(comity from France)
solidaritaetpinarselek@web.de (support group perifea germany)
http://www.pinarselek.com/public/page_item.aspx?id=829
http://www.pinarselek.com/public/destek.aspx?id=45

Jetzt ist es wieder Zeit für Solidarität
Wir freuen uns auf eure Beteiligung und Unterstützung

AMARIGI Women´s Solidarity Cooperative/Istanbul

Weihnachten für Mädchennotdienst

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Pressemitteilung

 

Weihnachten für Mädchennotdienst

 

Die Mädchen der Krisenwohnung des Mädchennotdienstes und der interkulturellen Wohngruppe „Donya“ von Wildwasser e.V. möchten sich recht herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken.

Wir hören jeden Tag nicht erfreuliche Nachrichten über die Finanzkrise, über die Geldveruntreuung, über die Sparmaßnahme des Berliner Senats oder der Bundsregierung.

Trotz alledem verbringen unsere Mädchen auch dieses Jahr ein tolles Weihnachtsfest mit schönen Geschenken.

In unseren Einrichtungen betreuen wir Mädchen im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren, die familiärer oder sexueller Gewalt ausgesetzt, vernachlässigt oder von Zwangsheirat bedroht sind. Gerade zur Weihnachtszeit ist es für die Mädchen besonders schmerzlich, dass sie keine Familie haben, bei der sie gut aufgehoben sind. Deshalb freuen wir uns sehr über die Unterstützung der sozialengagierten Stiftungen, Firmen und Privatpersonen.

Für langjährige Unterstützung unserer Arbeit möchten wir einige dieser SpenderInnen namentlich erwähnen:

Deutsche Kinderhilfe e.V. übergab uns 30 Gutscheine im Wert von je 10 Euro

Vattenfall überreichte zwei volle Kisten mit den Kinder- und Jugendgerechten Büchern

Tim´s Muffins Unlimited Backwaren GmbH liefert seit über 10 Jahren Leckereien aus ihrer Bäckerei

Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG stellte für unser Fest 20 Kisten Apfelsaft und Mineralwasser bereit.

LPG BioMarkt lieferte Lebensmitte für das gesunde Weihnachtsessen

Vielen vielen Dank!

Ansprechpartnerinnen für weitere Auskünfte:

Irina Leichsenring, Bereichsleiterin Wildwasser e.V., Bornemannstr.12, 13357 Berlin,

T.: 030/21003990; Fax: 030/21003991;

mail: maedchennotdienst-leitung@wildwasser-berlin.de

Pressemitteilung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2010 - Smart Mob Aktion

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Überall auf der Welt stehen Frauen am 25.11. auf und sagen: NEIN! zu Gewalt an Frauen. So auch wir - ein Zusammenschluss von Frauenprojekten aus dem Anti-Gewalt-Bereich in Berlin. Anlässlich des diesjährigen internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen möchten wir mit unserer Smart Mob Aktion daran erinnern, dass Gewalt gegen Frauen ein weltweites Phänomen ist und Frauen weltweit vor Gewalt fliehen müssen. Weltweit sind 42 Mio. Menschen auf der Flucht, davon sind 75-80 % Frauen und Kinder.

In die reichen Industrieländer gelangen davon jedoch nur etwa ¼ der Frauen, denn die meisten migrieren in Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer, u.a. weil ihnen die Ressourcen wie Geld und Mobilität fehlen.

  • Sie fliehen vor Unterdrückung und Ausbeutung, vor Politischer Verfolgung und Folter.
  • Sie fliehen, weil sie in ihrem Heimatland Krieg oder kriegerische Auseinandersetzungen herrschen und sie nicht sicher sind vor (Massen-)Vergewaltigungen, sexueller Ausbeutung oder sogar Tötung, wie beispielsweise in Ruanda oder dem Kosovo.
  • Sie fliehen vor (drohender) Genitalverstümmelung oder vor einer angedrohten Zwangsverheiratung.
  • Sie fliehen aber auch, weil sie Frauen lieben und in einem Land leben, dass weibliche Homosexualität unter Strafe stellt. Vielfach gelten lesbische Frauen als Freiwild für Männer, die davon überzeugt sind, sie durch Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe von ihrem Lesbisch-sein heilen zu können. Oftmals infizieren sie diese Frauen dann auch noch mit dem HIV-Virus.

Überall auf der Welt werden fundamentale Rechte von Frauen und ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung missachtet. Körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt gelten als die höchsten Gesundheitsrisiken, mit denen Frauen auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Diese Gewaltformen bergen ein Gesundheitsrisiko, das vergleichbar ist mit Krebs- und Kreislauferkrankungen, HIV und Tuberkulose. Laut UNO ist ein Drittel aller Frauen weltweit (mindestens) einmal im Leben von Gewalt betroffen. Dabei gilt Gewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie als die häufigste Form von Gewalt überhaupt. Täter sind in der Regel die (Ex-)Partner oder (Ex-)Ehemänner oder Menschen aus dem familiären Umfeld. Je nach Gewaltform schildern 56 bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden wie Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Angst etc. Besonders hoch war der Anteil nach psychischer und nach sexueller Gewalt. Die Mehrheit der von körperlicher oder sexueller Gewalt Betroffenen hat mit niemandem darüber gesprochen. Wenn Frauen über die erlebte Gewalt sprechen, dann zuerst und am häufigsten mit Personen aus ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld.

Das Global Network of Womens Shelters initiierte in diesem Jahr am 3. November zum zweiten Mal eine weltweite Erhebung zu Umfang und Ausmaß häuslicher Gewalt. Am 3. November 2009, dem Tag der erstmaligen Erhebung dieser Art, halfen 2.883 Schutzorganisationen in 24 Ländern auf der ganzen Welt insgesamt 90.602 Frauen und 63.315 Kindern – alleine an einem einzigen Tag. Weitere 12.228 Frauen und 8.176 Kinder konnten nicht in einer dieser Schutzorganisationen aufgenommen werden. http://www.acws.ca/documents/GlobalDataCountFlyerUN.pdf

In Berlin wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik in 2009 16.285 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Zu 76,6 % war der Täter männlich. In den Jahren 2003 bis 2009 wurden durchschnittlich 1.369 Frauen und 1.332 Kinder in den berliner Frauenhäusern aufgenommen. In 2009 gingen 6.574 Anrufe bei der BIG-Hotline ein und ca. 10.000 Frauen haben in 2009 das Beratungsangebot einer der fünf berliner Frauenberatungsstellen in Anspruch genommen.

http://www.berlin.de/sen/frauen/gewalt/haeusliche.html#1
http://www.berlin.de/sen/frauen/projekte/projekte2.html#1

Die Smart Mob Aktion am 25.11.2010 wird getragen von 4. Frauenhaus; Hestia Frauenhaus; Wildwasser e.V. Frauenselbsthilfe und Mädchenberatung; BORA Frauenhaus und Wohnhilfen; Vertreterinnen des Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe; Frauenraum – Fachberatungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt; TARA Frauenberatung; 2. Autonomes Frauenhaus; Frauentreffpunkt, Frauenzimmer.


Kontakt: 4. Frauenhaus, Cocon e.V. Frauenverein Berlin, Postfach 870134, 13161 Berlin,

Tel: 030-917 43 026, E-Mail: oeffentlichkeit@viertes-frauenhaus-berlin.de

Presseerklärung

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Presseerklärung von Wildwasser e.V. und Tauwetter e.V. zum Gespräch mit Betroffenen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“


Das Gespräch mit Betroffenen, das am 10.11.2010 am Runden Tisch stattfindet, ersetzt keinesfalls die Partizipation von Menschen, denen sexualisierte Gewalt angetan wurde, am Runden Tisch.

Es gibt bundesweit einige Organisationen und Zusammenschlüsse von Menschen, denen sexualisierte Gewalt angetan wurde, die als Vertreter_innen von Betroffenen-Organisationen zum Runden Tisch hätten eingeladen werden können. „Eine Partizipation von Betroffenen auf gleicher Augenhöhe war und ist offensichtlich nicht gewollt,“ erklärt Iris Hölling, Geschäftsführerin von Wildwasser e.V.
Die existierenden Organisationen und Zusammenschlüsse wurden nicht eingeladen, stattdessen wurden einzelne Menschen ausgewählt, die ihre persönlichen Erfahrungen darstellen.
Politische Beteiligung und Repräsentation der Menschen, über die am Runden Tisch gesprochen wird, sieht anders aus.

Wir kritisieren nicht die einzelnen Personen, die sich als Betroffene an dieser Veranstaltung beteiligen. Wir kritisieren das Auswahlverfahren, das Menschen allein nach der Art ihrer Gewalterfahrung aussucht und sie darauf reduziert.

„Die Chance, mit den Menschen, denen sexualisierte Gewalt angetan wurde, zu sprechen statt über sie, wurde erneut verpasst. Die Betroffenen haben eine Vielzahl von politischen Forderungen und ein Expert_innenwissen zum Thema, das an den Runden Tisch gehört. Die Forderungen müssen ernst genommen und umgesetzt werden,“ betont Iris Hölling.
Diese Forderungen wurden z.B. beim bundesweiten Kongress Aus unserer Sicht zusammengetragen (www.aus-unserer-sicht-kongress.de). Eine weitergehende Diskussion dieser Forderungen mit Vertreter_innen von Betroffenen-Organisationen und –Zusammenschlüssen ist offensichtlich am Runden Tisch nicht gewollt.

Berlin, den 9.11.2010

V.i.S.d.P.: Iris Hölling., Wildwasser e.V., Wriezener Str. 10/11, 13359 Berlin,
geschaeftsfuehrung@wildwasser-berlin.de; www.wildwasser-berlin.de
Für Rückfragen erreichen Sie die Mitarbeiterinnen der Frauenselbsthilfe von Wildwasser e.V.
am 10.11.2010 unter 030/6939192.
Die Presseerklärung wird unterstützt von Tauwetter e.V., Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin.
mail@tauwetter.de, 030/6938007, www.tauwetter.de

Neue Veröffentlichungen

Ganz aktuell kann jetzt das Positionspapier und Forderungen des bundesweiten Kongresses "Aus unserer Sicht" von Menschen, denen als Kindern oder Jugendlichen sexualisierte Gewalt angetan worden ist vom 25. und 26. September 2010 in Berlin unter Veröffentlichungen eingesehen werden.

Website: www.aus-unserer-sicht-kongress.de

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Wer sind die Täter?

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Wer sind die Täter?

Wildwasser- Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V.

Dieser Tage hört und liest man überall: den Opfern von sexuellem Missbrauch soll Gehör geschenkt werden, sie sollen endlich ernst genommen werden, mit dem, was ihnen angetan wurde.

Wildwasser Berlin unterstützt jährlich über 1000 Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren mussten. Hört man diesen Frauen und Mädchen tatsächlich mal zu, kann man auch viel über die Menschen erfahren, die ihnen die Gewalt angetan haben. Und diese Beschreibungen unterscheiden sich deutlich vom Bild der Täter in der aktuellen öffentlichen Diskussion. Denn in dieser spitzt sich die Betrachtung immer mehr auf den sogenannten „Pädophilen“ also einen Kranken, der für seine Neigung nichts kann, zu. Neben der sprachlichen Verwirrung, denn Pädophile lieben Kinder keineswegs, der Begriff „Pädokriminell“ scheint doch eher passend, bahnt sich hier ein großes Missverständnis an. Wenn von Pädophilen Tätern gesprochen wird, wird sich implizit auf den Diagnoseschlüssel ICD 10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) bezogen. Dieser versteht unter Pädophilie die: „Sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden“. In der öffentlichen Diskussion wird diese Diagnose zunehmend verbunden mit dem Postulat, dass diese Störung im Kern unheilbar ist.

Die Beschreibungen der Täter und Täterinnen, von denen in den Beratungen gesprochen wird, unterscheiden sich deutlich von dem Bild des kranken Triebtäters. Meist sind es gesellschaftlich ganz unauffällige Männer und Frauen. Sie lebten und leben konventionelle Beziehungsmuster und Lebensweisen und in diesem Rahmen auch eine Sexualität mit anderen Erwachsenen. Oft sind Täter selbst die biologischen Väter der Kinder, beziehungsweise haben auch ansonsten leibliche Kinder. Sie sind verheiratet oder leben in langjährigen festen Beziehungen in gesellschaftlich akzeptierter Weise. Natürlich könnte man auch in Bezug auf diese Täter und Täterinnen diskutieren, ob sie nicht trotzdem, nur eben sehr gut versteckt, pädophil sein könnten. Vielleicht ist es aber an diesem Punkt sinnvoller, zu überlegen, welchen grundsätzlichen gesellschaftlichen Zweck es hat, auf Gewalttaten mit einer psychiatrischen Diagnose zu reagieren.

Die häufigsten Ursachen für den sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen scheinen doch woanders zu liegen. Fast alle beratenen Mädchen und Frauen berichten, von restriktiven Strukturen innerhalb der jeweiligen Familie und dem nahen Umfeld, die einen gleichberechtigten Umgang miteinander unmöglich machen. Häufig ist das Familiensystem autoritär aufgebaut, gepaart mit latenter oder offener Frauenverachtung. Konflikte werden nicht gelöst, sondern über Gewalt in unterschiedlichen Formen (körperliche, psychische und sexuelle Gewalt), ausagiert. Die Beziehungen innerhalb des Familiensystems sind geprägt von Besitzdenken (der Mann, der Besitzrechte gegenüber der Frau hat, die Eltern, die ein Besitzrecht gegenüber den Kindern haben). Immer berichten die betroffenen Mädchen und Frauen von einer Verschiebung von Verantwortung, die eigentlich die Erwachsenen den Kindern gegenüber haben sollten.

Dies ist also die Situation der Opfer, bewusst vom Täter, aber nicht nur von ihm, geschaffen: sie sind real in einer machtlosen Position, gleichzeitig wird ihnen aber suggeriert, sie wären für die Situation verantwortlich. Der Täter hat die vollkommene Macht über das Kind und genau darum geht es ihm. Das Bestreben, Macht auch über sexuelle Handlungen, sexuelle Gewalt auszuüben, darf nicht zum Fehlschluss führen, hier läge zwangläufig auch Pädophilie vor.

Das Bild des pädophilen Täters suggeriert, dass es sich bei diesen, ja kranken Menschen, um „Andere“, „Fremde“ handelt, deren Belange verhandelt werden können, ohne auch nur einen Blick auf die eigene Familie oder auf die eigene Institution werfen zu müssen. Da der Pädophile an sich ja nicht heilbar ist, muss sich im Sinne einer Verhinderung von sexuellem Missbrauch nur damit auseinandergesetzt werden, wie diese Kranken im Vorfeld erkannt werden können. Das jeweilige System, die Familie oder die Institution, mit Strukturen, die Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt erst möglich machen, muss so nicht unbedingt hinterfragt werden.

Der Pädophile, als pervers eingruppiert, kann leichter gesellschaftlich ausgegrenzt werden. In dieser Dynamik steckt zusätzlich die ganz große Gefahr, dass wiederum andere Menschen, die gesellschaftlich weniger akzeptierte Lebensformen für sich gewählte haben, in die Nähe von Tätern und Täterinnen gerückt werden. Dies geschieht z.B., wenn in der Diskussion über sexuellen Missbrauch an Jungen immer wieder auch über Homosexualität gesprochen wird.

Die eigentlichen Ursachen von sexuellem Missbrauch liegen nicht in individuellen Erkrankungen, sondern in Macht und Gewaltstrukturen, die vom Täter, von der Täterin benutzt werden. Und hier schließt sich der Kreis von den Missbrauchstaten in den Internaten und anderen Institutionen hin zu den Familien, in denen nach wie vor sexuelle Gewalt am häufigsten ausgeübt wird, und findet sich auch ein wichtiger Ausgangspunkt, um zukünftig sexuellen Missbrauch zu verhindern: gesellschaftliche und institutionelle Machtstrukturen müssen kontinuierlich reflektiert, kritisch hinterfragt und vor allem auch verändert werden.

Bleibt der Blick weiterhin hauptsächlich beim pädophilen Täter, dann verpassen wir wirkungsvolle Ansatzpunkte für die Prävention.

Kommen wir zum Anfang des Textes zurück: wenn es wirklich ein Anliegen ist, den Opfern zuzuhören, sie ernst zu nehmen und auch zukünftig sexuellen Missbrauch zu verhindern, dann ist es nötig das Bild vom Täter in der öffentlichen Diskussion zu revidieren!

Copyright: Martina Hävernick, Wildwasser Frauenselbsthilfe und Beratung