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Unser Leitbild

Wildwasser ist eine Arbeitsgemeinschaft gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen. Unsere Angebote richten sich an Mädchen und an erwachsene Frauen, die als Mädchen oder Jugendliche sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, Ange­hörige und unterstützende Personen. Zum Verein gehört auch der Mädchennotdienst für jugendliche Mädchen in Krisensituationen.

Wir arbeiten auf der Grundlage eines feministischen Konzepts. Unter Feminismus verstehen wir eine politische Haltung, die sich gegen strukturelle Gewalt und jede Form von Diskriminierung wendet.
Eine feministische Haltung zeigt sich in der persönlichen und fachlichen Auseinander­setzung mit der Lebenssituation von Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft.

Unser Unterstützungsangebot ist „parteilich“, da es die Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt rückt und sich gegen die gesellschaftliche Toleranz von Gewalt stellt. Die Gewalterfahrungen von Mädchen und Frauen werden nicht individualisiert, sondern im Kontext struktureller Gewalt verstanden. Eine parteiliche Haltung beinhaltet auch das Wissen darum, dass Neutralität und Unab­hängigkeit von der eigenen Klasse, ethischer Grundhaltung und ethnischer Zuge­hörigkeit, Geschlecht, Alter und persönlicher Geschichte nicht möglich sind und diese in der Beratungs- und Betreuungsarbeit reflektiert werden müssen.

Um Menschen verschiedener Kulturen anzusprechen und ihren kulturellen Kontext zu berücksichtigen, werden gezielt Mit­arbeiterinnen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen eingestellt und die interkulturelle Kompetenz aller Mit­arbeiterinnen gefördert. Im Beratungs- und Betreuungsprozess bedeutet dies, spezifische, kulturell bedingte Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Die Mädchen und Frauen werden von uns als Expertinnen ihrer Lebenssituation wahrgenommen, die ihr Leben aktiv gestalten können und damit auch dazu beitragen, strukturelle Gewalt zu durchschauen und zu verändern. Ihnen wird bei uns ein Schutzraum geboten, in dem ihnen mit Wertschätzung und Empathie begegnet wird und ihre Ressourcen zur Veränderung wahrgenommen und respektiert werden.

Da sexualisierte Gewalt Ausdruck struktureller Gewalt ist, bemühen wir uns darum, auch strukturell Veränderungen zu bewirken. Ziel unserer Arbeit in der Öffentlichkeit ist letztlich die gesellschaftliche Ächtung von sexualisierter Gewalt und eine Veränderung des Umgangs mit sexualisierter Gewalt. Wir kooperieren mit vielen unterschiedlichen Institutionen in Berlin sowie in Deutschland und anderen Ländern. Vernetzung und Austausch sowie die Organisation von (Fach)Veranstaltungen gehören ebenfalls dazu. Uns ist es wichtig, die Qualität unserer Arbeit kontinuierlich zu sichern und zu entwickeln.

Durch fachliche Beratung professioneller HelferInnen und unterstützender Personen schärfen wir den Blick für Gewalt­strukturen und fördern die Bereit­schaft, Ver­antwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen zu übernehmen.

In der Präventionsarbeit geht es um die Stärkung von Autonomie und Selbst­bestimmung von Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt u. U. verhindern oder möglichst frühzeitig unterbrechen kann.
Zudem wirken wir damit Rollenstereotypen entgegen, die Gewaltstrukturen perpetuieren.

Unser Ziel ist ein gleichberechtigtes, gewaltfreies Miteinander. Feministische Arbeit bedeutet immer auch Arbeit für Menschenrechte und Menschenwürde.