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Pressemitteilung

Pressemitteilung zum Urteil im Prozess um die Vergewaltigung einer 15-jährigen Messdienerin durch ihren Diakon

 

Am Donnerstag fand am Amtsgericht München die Urteilsverkündung im Prozess um einen Diakon statt, der auf einer Kirchenfahrt eine 15jährige Messdienerin vergewaltigt hatte. Der Mann wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Wir von Wildwasser Berlin, einem Verein, der sich seit mehr als 30 Jahren für Frauen* und Mädchen* einsetzt, die von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend betroffen sind oder waren, sind über diesen Richterspruch zutiefst entrüstet.

Zwei Jahre auf Bewährung für eine Vergewaltigung. Das ist nicht nur ein herber Schlag für das betroffene Mädchen, sondern trifft auch eine gesellschaftliche Aussage, die sexualisierte Gewalt bagatellisiert. Im Fall des Diakons kommt noch hinzu, dass er die Gewalt in Ausnutzung eines Vertrauensverhältnisses und seiner Verantwortung für die 15-Jährige ausübte.

Trotz aller wichtiger gesellschaftlicher Debatten um das Thema sexualisierte Gewalt und einem, auch durch die „Me too“-Kampagne erhöhten Problembewusstsein, zeigt dieses Urteil, dass es weiterhin einen Kampf für die Durchsetzung der Rechte von Betroffenen braucht.

Wir finden, dass das Recht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche Unversehrtheit sich auch in gerichtlichen Urteilen wiederfinden muss.

Vergewaltigung wird so zu einer Bagatelle gemacht. Das ist ein Symptom der sogenannten Rape Culture, also einer Kultur, die sexualisierte Gewalt begünstigt, indem sie sie kleinredet, Ausreden und Entschuldigungen erfindet und Betroffenen die Richtigkeit ihrer Wahrnehmungen abspricht.

Wir als Wildwasser e.V. nehmen dieses Urteil als ein gesellschaftlich fatales Signal wahr, weil es keine Anerkennung für das Leid der Betroffenen gibt und sexualisierte Gewalt verharmlost.

Wir fordern die Sichtbarmachung und Anerkennung der Perspektiven und Rechte von Betroffenen in gerichtlichen Verfahren und setzen uns weiterhin für eine breite gesellschaftliche Debatte ein, die sexualisierte Gewalt als ein für ALLE relevantes Problem begreift und bereits dort ansetzt, wo Verharmlosung und Desinteresse sexualisierte Gewalt begünstigen.

 

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Wildwasser e.V. Berlin

Ansprechpartnerin Irina Stolz:

Email.: gf_stolz@wildwasser-berlin.de

Tel: 030-486 282 32

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