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Pressemitteilung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2010 - Smart Mob Aktion

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Überall auf der Welt stehen Frauen am 25.11. auf und sagen: NEIN! zu Gewalt an Frauen. So auch wir - ein Zusammenschluss von Frauenprojekten aus dem Anti-Gewalt-Bereich in Berlin. Anlässlich des diesjährigen internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen möchten wir mit unserer Smart Mob Aktion daran erinnern, dass Gewalt gegen Frauen ein weltweites Phänomen ist und Frauen weltweit vor Gewalt fliehen müssen. Weltweit sind 42 Mio. Menschen auf der Flucht, davon sind 75-80 % Frauen und Kinder.

In die reichen Industrieländer gelangen davon jedoch nur etwa ¼ der Frauen, denn die meisten migrieren in Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer, u.a. weil ihnen die Ressourcen wie Geld und Mobilität fehlen.

  • Sie fliehen vor Unterdrückung und Ausbeutung, vor Politischer Verfolgung und Folter.
  • Sie fliehen, weil sie in ihrem Heimatland Krieg oder kriegerische Auseinandersetzungen herrschen und sie nicht sicher sind vor (Massen-)Vergewaltigungen, sexueller Ausbeutung oder sogar Tötung, wie beispielsweise in Ruanda oder dem Kosovo.
  • Sie fliehen vor (drohender) Genitalverstümmelung oder vor einer angedrohten Zwangsverheiratung.
  • Sie fliehen aber auch, weil sie Frauen lieben und in einem Land leben, dass weibliche Homosexualität unter Strafe stellt. Vielfach gelten lesbische Frauen als Freiwild für Männer, die davon überzeugt sind, sie durch Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe von ihrem Lesbisch-sein heilen zu können. Oftmals infizieren sie diese Frauen dann auch noch mit dem HIV-Virus.

Überall auf der Welt werden fundamentale Rechte von Frauen und ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung missachtet. Körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt gelten als die höchsten Gesundheitsrisiken, mit denen Frauen auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Diese Gewaltformen bergen ein Gesundheitsrisiko, das vergleichbar ist mit Krebs- und Kreislauferkrankungen, HIV und Tuberkulose. Laut UNO ist ein Drittel aller Frauen weltweit (mindestens) einmal im Leben von Gewalt betroffen. Dabei gilt Gewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie als die häufigste Form von Gewalt überhaupt. Täter sind in der Regel die (Ex-)Partner oder (Ex-)Ehemänner oder Menschen aus dem familiären Umfeld. Je nach Gewaltform schildern 56 bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden wie Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Angst etc. Besonders hoch war der Anteil nach psychischer und nach sexueller Gewalt. Die Mehrheit der von körperlicher oder sexueller Gewalt Betroffenen hat mit niemandem darüber gesprochen. Wenn Frauen über die erlebte Gewalt sprechen, dann zuerst und am häufigsten mit Personen aus ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld.

Das Global Network of Womens Shelters initiierte in diesem Jahr am 3. November zum zweiten Mal eine weltweite Erhebung zu Umfang und Ausmaß häuslicher Gewalt. Am 3. November 2009, dem Tag der erstmaligen Erhebung dieser Art, halfen 2.883 Schutzorganisationen in 24 Ländern auf der ganzen Welt insgesamt 90.602 Frauen und 63.315 Kindern – alleine an einem einzigen Tag. Weitere 12.228 Frauen und 8.176 Kinder konnten nicht in einer dieser Schutzorganisationen aufgenommen werden. http://www.acws.ca/documents/GlobalDataCountFlyerUN.pdf

In Berlin wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik in 2009 16.285 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Zu 76,6 % war der Täter männlich. In den Jahren 2003 bis 2009 wurden durchschnittlich 1.369 Frauen und 1.332 Kinder in den berliner Frauenhäusern aufgenommen. In 2009 gingen 6.574 Anrufe bei der BIG-Hotline ein und ca. 10.000 Frauen haben in 2009 das Beratungsangebot einer der fünf berliner Frauenberatungsstellen in Anspruch genommen.

http://www.berlin.de/sen/frauen/gewalt/haeusliche.html#1
http://www.berlin.de/sen/frauen/projekte/projekte2.html#1

Die Smart Mob Aktion am 25.11.2010 wird getragen von 4. Frauenhaus; Hestia Frauenhaus; Wildwasser e.V. Frauenselbsthilfe und Mädchenberatung; BORA Frauenhaus und Wohnhilfen; Vertreterinnen des Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe; Frauenraum – Fachberatungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt; TARA Frauenberatung; 2. Autonomes Frauenhaus; Frauentreffpunkt, Frauenzimmer.


Kontakt: 4. Frauenhaus, Cocon e.V. Frauenverein Berlin, Postfach 870134, 13161 Berlin,

Tel: 030-917 43 026, E-Mail: oeffentlichkeit@viertes-frauenhaus-berlin.de

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